Die Situationen sind nicht vollständig symmetrisch, weil: die Zielgruppen der Gewalt unterschiedlich sind, die ideologischen Grundlagen verschieden bewertet werden, die sicherheitspolitische Einschätzung unterschiedlich ausfällt.
Beide Seiten setzen sich mal mehr, mal weniger deutlich davon ab. Die Extremisten sind nicht automatisch repräsentativ für die gesamte Bewegung. Aber die Art der Ideologie, die Ziele der Gewalt und die gesellschaftlichen Auswirkungen unterscheiden sich deutlich.
| Wen rechte Gewalt typischerweise trifft | Wen linksextreme Gewalt typischerweise trifft |
|---|---|
|
Rechtsextreme Gewalt richtet sich statistisch:
Weiße Männer oder Frauen sind selten Ziel rechter Gewalt, es sei denn, sie werden für „links“, „queer“ oder „anders“ gehalten. |
Linksextreme Gewalt richtet sich statistisch:
Zufällige Passanten werden von linksextremen Gruppen praktisch nie angegriffen, sofern sie nicht als politische Gegner wahrgenommen werden. |
| Rechts | Links | Religiös |
|---|---|---|
| ethnisch/völkisch definierte Gemeinschaft, Hierarchisierung von Menschen, autoritäre Ordnungen. | revolutionäre oder tiefgreifende Überwindung des Kapitalismus, starke Ablehnung bestehender staatlicher Institutionen. | Vorrang religiöser Gebote vor demokratischer Ordnung, Ablehnung pluralistischer, säkularer Gesellschaft. |
| Rechts | Links | Religiös-extremistisch |
|---|---|---|
| Minderheiten, Migranten, Linke, queere Menschen, „Globalisten“. | Staat, Polizei, Militär, „Kapital“, rechte Gruppen. | „Ungläubige“, säkulare Kräfte, liberale oder „abweichende“ Gläubige. |
Gemeinsam: Propaganda (Social Media, Flyer, Videos); Mobilisierung (Demos, Kampagnen); Aufbau von Netzwerken und Vereinen.
| Rechts | Links | Religiös |
|---|---|---|
| Einschüchterung, Übergriffe, Anschläge auf Personen/Einrichtungen. | Sabotage, Brandanschläge auf Sachen, Angriffe bei Demos, Blockaden. | Rekrutierung, Parallelstrukturen, in der Spitze terroristische Gewalt. |
| Rechts | Links | Religiös |
|---|---|---|
| Parteien, Bürgerinitiativen, Kameradschaften, Publikationen, Online-Communities. | autonome Gruppen, Zentren, Bündnisse, Kampagnen. | Vereine, Gemeinden, lose oder straff organisierte Netzwerke, oft transnational. |
Gemeinsam: Demokratieablehnung bzw. -relativierung; Feindbildkonstruktion; Gewaltakzeptanz mindestens im Extremfall.
Unterschiedlich: ideologische Begründung (ethnisch, sozialökonomisch, religiös), Zielgruppen der Gewalt, Rekrutierungs- und Organisationsform.
Die Aufgabe des Verfassungsschutzes ist es, Organisationen zu beobachten, die gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung (FDGO) arbeiten. Diese Grundordnung umfasst zentrale Rechte: Menschenwürde, Gleichheit vor dem Gesetz, Demokratie, Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit, Minderheitenschutz.
Eine Organisation wird beobachtet, nicht weil sie unbeliebt ist oder eine radikale Meinung vertritt, sondern weil tatsächliche Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sie Teile dieser Grundordnung ablehnt oder aktiv bekämpft.
| Status | Bedeutung |
|---|---|
| Verdachtsfall | Es gibt Hinweise auf extremistische Ziele. Der Staat darf recherchieren und beobachten. |
| gesichert extremistisch | Es liegen eindeutige Beweise vor, dass Ziele oder Handlungen gegen die FDGO gerichtet sind. |
Wichtig: Dafür ist körperliche Gewalt nicht notwendig. Auch ohne Gewalt kann man die Menschenwürde attackieren oder Demokratie abschaffen wollen.
Extremistische Organisationen teilen Gesellschaften oft in "wertvoll" und "weniger wert". Das führt zu Diskriminierung, Ungleichheit und Ausgrenzung.
Beispiele:
Extremistische Gruppen lehnen oft die Grundidee der Demokratie ab: dass verschiedene Meinungen nebeneinander existieren dürfen und über Wahlen mitentschieden wird. Stattdessen fordern sie autoritäre Systeme, religiöse Herrschaft oder "revolutionäre Räte".
Viele Extremisten versuchen nicht offen den Staat zu stürzen, sondern sein Vertrauen systematisch zu zerstören:
Dieses Misstrauen kann Demokratien von innen schwächen.
Auch wenn einige Organisationen (z. B. AfD oder Ende Gelände) selbst nicht unmittelbar zu Gewalt aufrufen, kann ihre Ideologie:
Demokratie wird so schleichend gefährdet, bevor Gewalt sichtbar wird.
Demokratische Staaten sollen präventiv handeln. Ein Verfassungsschutz greift dann ein, wenn die Verfassung gefährdet ist – nicht erst, wenn etwas passiert ist.
Vergleich:
Die Feuerwehr löscht nicht erst, wenn das Haus brennt, sondern entfernt vorher brennbare Stoffe.
Demokratie schützt sich frühzeitig, bevor radikale Kräfte Mehrheiten gewinnen oder Strukturen übernehmen.
Würde man erst handeln, wenn Extremisten Gewalt ausüben, wäre es oft zu spät – dann wären sie bereits politisch einflussreich.
Auswahl (keine vollständige Liste). Quellen sind u. a. Berichte von Bundes- und Landesverfassungsschutz sowie Verbotsverfügungen des Bundesinnenministeriums.
| Organisation | Typ | Einstufung | Zeitraum | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Die Heimat (ehem. NPD) | Partei | gesichert rechtsextrem | fortlaufend | BfV |
| Der III. Weg | Partei | gesichert rechtsextrem | seit 2013 | BfV |
| DIE RECHTE | Partei | gesichert rechtsextrem | seit 2012 | BfV |
| Neue Stärke Partei (NSP) | Partei | rechtsextrem | seit 2021 | LfV |
| DVU – Deutsche Volksunion | Partei | rechtsextrem | bis 2011 | VS-Berichte |
| Pro-Bewegung (Pro Köln/Pro NRW) | Partei/Bewegung | rechtsextremistisch | 2000–2018 | LfV/BfV |
| AfD | Partei | rechtsextremistischer Verdachtsfall | seit 2022 | BfV/OVG NRW |
| Junge Alternative (JA) | Jugendorganisation | Verdachtsfall/teils gesichert rechtsextrem | seit 2019 | BfV/LfV |
| Organisation | Typ | Einstufung | Zeitraum | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Identitäre Bewegung Deutschland (IBD) | Bewegung | rechtsextrem | seit 2014 | BfV |
| Ein Prozent | Netzwerk | rechtsextrem | seit 2015 | BfV |
| Der Flügel (AfD-Strömung) | Strömung | gesichert rechtsextrem | seit 2020 | BfV |
| Active Clubs | Netzwerk | rechtsextrem | seit 2023 | BfV/BMI |
| Reichsbürger & Selbstverwalter | Spektrum | teile rechtsextrem | fortlaufend | BfV |
| Combat 18 Deutschland | Netzwerk | rechtsterroristisch (verboten) | 2020 | BMI |
| Blood & Honour – Division Deutschland | Netzwerk | verboten | 2000 | BMI |
| Sturm-/Wolfsbrigade 44 | Vereinigung | verboten | 2020 | BMI |
| Nordadler | Onlinegruppe | verboten | 2020 | BMI |
| Weiße Wölfe Terrorcrew (WWT) | Vereinigung | verboten | 2016 | BMI |
| HNG – Hilfe Org. Nationaler Gefangener | Verein | verboten | 2011 | BMI |
| HDJ – Heimattreue Deutsche Jugend | Jugendorganisation | verboten | 2009 | BMI |
| Organisation | Typ | Einstufung | Zeitraum | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| DKP – Deutsche Kommunistische Partei | Partei | gesichert linksextrem | fortlaufend | BfV |
| MLPD – Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands | Partei | gesichert linksextrem | fortlaufend | BfV |
| KPD (wiedergegründet) | Partei | linksextrem | fortlaufend | VS-Berichte |
| SGP – Sozialistische Gleichheitspartei | Partei | linksextrem | fortlaufend | BfV |
| Rote Hilfe e.V. | Verein | gesichert linksextrem | fortlaufend | BfV |
| Interventionistische Linke (IL) | Netzwerk | linksextrem | fortlaufend | BfV/LfV |
| Ende Gelände | Bündnis | linksextremistischer Verdachtsfall | seit 2023 | BfV |
| Autonome/Schwarzer Block | Szene | linksextremistisch | fortlaufend | BfV |
| Organisation | Typ | Einstufung | Zeitraum | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Islamischer Staat (IS) | Terrororganisation | extremistisch/terroristisch | seit 2014 | BfV/BMI |
| Al-Qaida | Terrororganisation | extremistisch/terroristisch | fortlaufend | BfV/BMI |
| Hamas | Organisation | terroristisch | fortlaufend | BfV/BMI |
| Hizb ut-Tahrir | Organisation | verboten/terroristisch | seit 2003 | BMI |
| Boko Haram | Organisation | extremistisch | fortlaufend | BfV |
| Al-Shabaab | Organisation | extremistisch | fortlaufend | BfV |
| Abu Sayyaf | Organisation | extremistisch | fortlaufend | BfV |
| Organisation | Typ | Einstufung | Zeitraum | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| PKK – Arbeiterpartei Kurdistans | Organisation | verboten/extremistisch | seit 1993 | BMI/BfV |
| DHKP-C | Organisation | extremistisch | fortlaufend | BfV |
| TKP/ML | Organisation | extremistisch | fortlaufend | BfV |
| Graue Wölfe / Ülkücü-Bewegung | Bewegung | extremistisch beeinflusst | fortlaufend | LfV |
Bedeutung des Begriffs „Antifa“
„Antifa“ ist die Kurzform von Antifaschismus.
Historisch: Widerstand gegen den Faschismus (z. B. NS-Zeit).
Heute: Politische und gesellschaftliche Aktivitäten, die sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und autoritäre Ideologien richten.
Der Begriff wird sowohl von Aktivisten positiv gebraucht („antifaschistisch sein“), als auch von Kritikern negativ benutzt („die Antifa“ als pauschale Beschreibung für linke Gruppen).
Was ist die „Antifa-Szene“?
Der Ausdruck meint ein Milieu von Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen mit antifaschistischer Ausrichtung. Er ist nicht eine feste Organisation.
Typische Bestandteile der Szene:
Die Szene ist inhomogen: Ein großer Teil agiert legal und demokratisch: Aufklärung, Beratung, Demos, Recherche zu Rechtsextremismus. Ein kleiner radikaler Teil nutzt konfrontative oder teilweise militante Mittel.
Warum ist der Begriff so schwer zu fassen?
Weil es keine Mitgliedschaft, keine Hierarchie und keine zentrale Organisation gibt,
viele Gruppen völlig unabhängig voneinander handeln
und der Begriff politisch emotional aufgeladen ist – sowohl positiv als auch negativ.
Neutrale Zusammenfassung
„Antifa“ bedeutet antifaschistisch.
Die „Antifa-Szene“ ist ein breites linkes bis linksradikales Spektrum, kein einheitlicher Verband.
Das Spektrum reicht von friedlichen demokratischen Initiativen bis zu autonomen Gruppen, die gelegentlich strafbare Aktionen begehen.
Pauschalurteile („Die Antifa macht X“) sind deshalb oft irreführend, weil es nicht „die eine“ Antifa gibt.
Die Grenze zum Extremismus
Die Grenze zum Extremismus verläuft dort, wo Demokratie und Menschenwürde nicht mehr akzeptiert werden.
Linksextreme/militante Kleingruppen
Befürworten Gewalt gegen Sachen und teils Personen.
Ziele: Staat, Polizei, rechte Strukturen, Eigentum.
Sie werden vom Verfassungsschutz beobachtet.
Rechte Szene / Rechtspopulismus / Rechtsextremismus
Auch hier gibt es ein Spektrum:
Konservativ: demokratisch, rechtsstaatlich, wertkonservativ.
Rechtspopulistisch: starke „Wir-gegen-die“-Erzählungen („Volk“ vs. „Eliten“, Medien, Migranten), vereinfachende Lösungen,
teils aggressive Sprache, aber nicht automatisch extremistisch.
Rechtsextrem: Ungleichwertigkeit von Menschen nach Ethnie, „Rasse“, Religion, Sexualität; autoritäre oder völkische Ordnungsvorstellungen;
teils Anschluss an neonazistische Traditionen.
Argumentationsmuster beider Seiten („Wir sind nicht extrem“)
Links/antifaschistisch: „Wir sind gegen Faschismus, die Gewalt kommt nur von einem kleinen Teil, der Rest ist friedlich.“
Rechts/rechtspopulistisch: „Wir sind nicht extrem, ein kleiner Rand ist radikal, von dem distanzieren wir uns.“
Strukturell ähnlich: breite Bewegung, radikaler Rand, extremistische Minderheit.
Wo die Symmetrie endet
Rechter Extremismus: Gewalt oft gegen konkrete Bevölkerungsgruppen (Minderheiten, politisch Linke, queere Menschen).
Linker Extremismus: Gewalt überwiegend gegen Polizei, Staat, rechte Gruppen, Infrastruktur/Eigentum.
Beide sind problematisch, aber Zielgruppen und Ideologie unterscheiden sich deutlich.