AfD-Jugendorganisation
Gründung der Generation Deutschland

Am 29. November 2025 gründete die Alternative für Deutschland (AfD) in den Messehallen von Gießen ihre neue Jugendorganisation „Generation Deutschland“ (GD). Sie soll langfristig die Rolle der im Frühjahr 2025 aufgelösten Jungen Alternative (JA) übernehmen, die zuvor vom Bundesamt für Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft worden war.

Mehr als 800 Delegierte reisten an – begleitet von zehntausenden Demonstrierenden, massiven Blockaden, einem außergewöhnlich großen Polizeieinsatz und einer intensiven Medienberichterstattung.

1. Hintergrund: Warum eine neue Jugendorganisation?

Auflösung der JA und parteiinterne Strategie

Die JA war aufgrund massiver Beobachtungen im rechtsextremen Milieu ein zunehmendes Risiko für die Gesamtpartei geworden. Als eingetragener Verein war sie rechtlich angreifbar und hätte ein Vereinsverbot nach sich ziehen können, das in Teilen auch die AfD selbst getroffen hätte.

Mit „Generation Deutschland“ schafft die Partei nun eine Organisationsform direkt unter ihrer Kontrolle – ohne eigenen Vereinsstatus. Mitglieder müssen unter 36 Jahre alt und zugleich Parteimitglieder sein. Damit kann die Parteiführung auf Fehltritte schneller reagieren und Konflikte mit dem Verfassungsschutz begrenzen.

Ziele der Organisation

Für die AfD soll die neue Gruppe eine Kaderschmiede sein:

  • Chrupalla forderte, die Jugend müsse sich „in den Dienst der Partei stellen“.
  • Weidel beschrieb GD als Ort, an dem „unsere künftigen Führungskräfte geformt werden“.

Politikwissenschaftliche Analysen weisen darauf hin, dass die AfD mit diesem Modell ein strengeres internes Machtgefüge etabliert, in dem die Jugend stärker von der Parteispitze gelenkt wird.

Personelle Kontinuitäten – und die eindeutig belegte Gesinnung von Jean-Pascal Hohm

Zum Vorsitzenden wurde Jean-Pascal Hohm gewählt – ein Name, der seit Jahren im Fokus des Verfassungsschutzes steht. Die politische Ausrichtung Hohms ist eindeutig dokumentiert und wird von zahlreichen Quellen übereinstimmend beschrieben:

  • Der Verfassungsschutz ordnete ihn bereits in seiner JA-Zeit dem rechtsextremen Umfeld zu.
  • Die taz dokumentierte seine Teilnahme an Veranstaltungen, bei denen Parolen wie „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ skandiert wurden.
  • Recherchen belegen wiederholt Auftritte bei rechtsextremen Burschenschaften, identitären Veranstaltungen und Netzwerken.
  • In sozialen Medien verbreitete Hohm über Jahre Inhalte, die als ethnisch-nationalistisch, völkisch, antiflüchtlingsfeindlich oder klar rechtsradikal eingeordnet wurden.
  • Der Deutschlandfunk beschreibt ihn als jemanden, der sich „seit Jahren im rechtsradikalen Milieu bewegt und dort tief verankert ist“.

Damit zeigt die Wahl Hohms: „Generation Deutschland“ ist keine inhaltliche Neuausrichtung – sondern eine Fortführung der ideologischen Linie, die die JA in den Verfassungsschutzkonflikt führte.

2. Der Kongress in Gießen

Verzögerter Beginn

Der Parteitag begann über zwei Stunden später als geplant: Blockaden auf Zufahrtsstraßen, angespannte Verkehrssituationen und koordinierte Sitzblockaden verzögerten die Ankunft vieler Delegierter.

Wahlvorgänge

Neben Hohm wählten die Delegierten ein 16-köpfiges Leitungsgremium. Einige Kandidaten wurden aus dem Publikum ausgebuht – vor allem jene, die früher Mitglied anderer Parteien waren, was die ideologische Geschlossenheit der AfD-Jugend unterstreicht.

Der „Dracula-Goebbels“-Vorfall

Aufsehen erregte der Auftritt von Alexander Eichwald, dessen Stil – übertrieben pathetische Betonung, Gestik, Körpersprache – selbst parteinahe Medien irritierte. Die „Junge Freiheit“ bezeichnete ihn später als „Dracula-Goebbels“. Einige Delegierte verdächtigten ihn, ein eingeschleuster Provokateur zu sein. Die AfD leitete ein Parteiausschlussverfahren ein.

3. Die Proteste in Gießen

Umfang der Proteste

Die Demonstrationen waren eines der größten zivilgesellschaftlichen Ereignisse in Gießen seit Jahrzehnten:

  • Veranstalter: bis zu 50.000 Teilnehmende,
  • Polizei: 25.000–30.000,
  • eingesetzte Polizisten: über 6.000.

DGB, Kirchen, Studierendengruppen, NGOs und zahlreiche Initiativen hatten mobilisiert.

Blockaden und Polizeieinsatz

Blockaden auf Hauptverkehrsachsen führten zu massiven Störungen. Als Gruppen versuchten, Absperrungen zu überwinden, setzte die Polizei Pfefferspray, Wasserwerfer und Schlagstöcke ein. Der Innenminister meldete:

  • mehr als 50 verletzte Polizisten,
  • mindestens 26 verletzte Zivilpersonen.

Kontroverse um Polizeigewalt

„Widersetzen“ berichtete von „wahllosen Schlägen“ und übermäßiger Härte. Die GdP wies dies zurück und sprach von einem „unhaltbaren Angriff auf Polizisten“. Lokale Geschäfte beklagten Umsatzausfälle, äußerten aber teils Verständnis für die Demonstrationen.

4. Medienperspektiven

Linke und linksliberale Medien

taz, FR, derStandard betonten die ideologische Radikalisierung, Hohms belegte rechtsradikale Verbindungen und die Gefahr, dass GD ein Auffangbecken für extrem rechte Nachwuchskader bleibt. Zugleich rückten sie Polizeigewalt und massive Blockaden in den Fokus. Die Frankfurter Rundschau berichtete im Liveticker ausführlich über Verletzte, Blockaden und Stimmen aus der Stadtgesellschaft.

Öffentlich-rechtliche und faktenorientierte Medien

Deutschlandfunk, Stern und internationale Agenturen (AP) konzentrierten sich stärker auf Zahlen, Abläufe und rechtliche Hintergründe. Sie berichteten sachlich über den Polizeieinsatz, ordneten Hohm politisch ein („tief im rechtsradikalen Milieu verwurzelt“), zitierten die AfD-Spitze umfangreich und meldeten die massive Verzögerung des Parteitags durch Blockaden. AP bestätigte, dass der Kongress erst Stunden später begann und Steinwürfe, durchbrochene Absperrungen sowie der Einsatz von Wasserwerfern den Tag prägten.

Rechte und konservative Medien

Rechte und konservative Medien wie die „Junge Freiheit“ sprachen von „linksextremen Krawallen“, lobten die Polizei und zeigten sich begeistert vom „starken Auftritt“ der AfD. Hohm wurde ausdrücklich als legitimer, glaubwürdiger Führungsnachwuchs dargestellt. Der Eichwald-Auftritt wurde als mögliche Sabotage oder Provokation diskutiert.

5. Einordnung der Ereignisse

Folgende Punkte stechen hervor:

  • Die AfD stärkt ihre innerparteiliche Kontrolle durch einen Nachwuchsverband ohne eigenen Vereinsstatus.
  • Die Wahl eines eindeutig rechtsradikal eingeordneten Vorsitzenden (Hohm) zeigt, dass der neue Verband keine Linie der Mäßigung verfolgt.
  • Der massive Protest unterstreicht die gesellschaftliche Ablehnung der AfD – quer durch Gewerkschaften, Kirchen, Studierende und Kommunen.
  • Der Polizeieinsatz war einer der größten in Hessen und bleibt politisch umstritten.
  • Der Verband könnte langfristig zur strategischen Waffe der AfD werden – mit enger Führung und ideologischer Geschlossenheit.

Fazit

Die Gründung von Generation Deutschland markiert für die AfD einen strukturell wichtigen Schritt. Sie schafft einen Nachwuchsverband, der enger als zuvor gelenkt werden kann, während die Wahl von Jean-Pascal Hohm zugleich zeigt, dass der ideologische Kurs eher gefestigt als gemäßigt wird.

Die breiten Proteste in Gießen, die hohe gesellschaftliche Aktivierung und die Debatte um Polizeigewalt machen deutlich, wie stark das Thema polarisiert. Die weitere Entwicklung von GD – insbesondere unter einem Vorsitzenden mit klar belegten rechtsradikalen Verbindungen – dürfte in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle in der Beobachtung rechtspopulistischer und rechtsextremer Entwicklungen in Deutschland spielen.

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